Nicht ungeschoren davonkommen
Das Schicksal der Frauen in den besetzten Ländern, die Wehrmachtssoldaten liebten 

Von Ebba Drolshagen


Die Forschung über das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg behandelt den deutschen Mann in Uniform als geschlechtsloses Wesen - es sei denn, er vergewaltigte. Daß die Wehrmachtssoldaten (wie Soldaten zu allen Zeiten und in allen Kriegen) im Ausland Liebschaften hatten, sich verlobten, daß nicht wenige sich eine Ehefrau aus dem Krieg mitbrachten, scheint aus dem Bewußtsein der Deutschen gänzlich verschwunden zu sein. Das Buch handelt von Verdrängung, der Verdränung privater, intimer Erlebnisse in einem Krieg, von dem wir aus gutem Grund immer nur das Morden gesehen haben - und nie den jungen Mann, der einsam war und sich nach Nähe und Liebe oder auch nur nach einem Frauenkörper sehnte. Es geht um die Verdränung, daß solche Sehnsüchte nicht allein durch Vergewaltigung und Bordellbesuche gestillt wurden, sondern daß sich Frauen im besetzten Nord- und Westeuropa in deutsche Soldaten verliebten, weil sie sie als Männer charmant, gutaussehend, zuvorkommend - kurz: attraktiv fanden. Das Buch erzählt, was die vermeintlichen Gegner zusammenführte, wie ihre Beziehungen aussahen, welche Folgen das für ihn und für sie hatte. Es dreht sich um die Frauen, die Wehrmachtssoldaten liebten und von ihnen geliebt wurden. Es geht der Frage nach, wer sie waren, warum sie wegen dieser Liebe von ihren Landsleuten schikaniert, als "Deutschenflittchen" beschimpft, der Kollaboration bezichtigt, geschoren und verprügelt wurden und warum viele so teuer für diese Liebe bezahlten - auch wenn nur wenige ein so tragisches Ende nahmen wie Madame Butterfly und Miss Saigon, die berühmten "Besatzungsliebchen" der Bühne. 13,5 x 21,0 cm, 256 S., geb., 36,00 DM, Erscheinungstermin: 21. August 1998