
KOPENHAGEN/FÅRUP
In Norwegen hat, wie in unserer Zeitung berichtet, der Rechtsausschuss des
Storting beschlossen, sich staatlicherseits für das den norwegischen
Kriegskindern angetane Unrecht zu entschuldigen und eine Entschädigungszahlung
in Aussicht gestellt
Auch in Dänemark haben die Behörden verhindert, so Arne Øland, dass die dänischen
Kinder von ihrem biologischen Vater wußten oder ihn gar kennen lernten.
Dabei hatten zahlreiche deutsche Väter ihre dänischen Kinder anerkannt, so Øland
weiter. Dies war während der Besatzungzeit auch von der Vergleichkommission
festgehalten worden. Nach Ende des Krieges allerdings wurden, so lautet der
Vorwurf, von staatlicher Seite diese Informationen gelöscht. Es erging auch an
die nachgeordneten Behörden wie Gerichte die Anweisung, nicht nach den
deutschen Vätern zu forschen. Dies war ein klarer Verstoß gegen das damals
neue Kindesrecht, so der Vereinsvorsitzende, nach dem die Gerichte aufgefordert
waren im Sinne des Kindeswohles nach Vätern zu suchen.
In einem Briefwechsel mit dem dänischen Justizministerium Ende der 90er Jahres
erfuhr Arne Øland, dass es nach Auffassung des Ministeriums keine Rechtsbrüche
gegeben habe. Den Behörden sei nichts vorzuwerfen.
Die Vorsitzende des Rechtsausschusses des Folketings, Anne Baastrup von den
Volkssozialisten will sich, erklärte sie auf Anfrage des Nordschleswigers, an
die Justizministerin wenden und um Aufklärung bitten. »Meiner Ansicht nach
muss eine Untersuchung durchgeführt werden, wer wann was getan hat« und ob
durch die dänischen Behörden den Kinder Unrecht zugefügt wurde. Vom Ergebnis
einer solchen Untersuchung, für die gegebenenfalls auch Geld zur Verfügung
gestellt werden müsste, wolle sie es abhängig machen, ob auch in Dänemark
eine Entschädigung gezahlt oder eine Entschuldigung ausgesprochen werde. »Das
waren schockierende Informationen«, so die Folketingsabgeordnete, die nach
eigenen Angaben erst vor kurzem von der Situation der dänischen Kriegskinder
erfahren hatte.
Der Verein dänischer Kriegskinder hat derzeit um die 200 Mitglieder. Arne Øland
schätzt aber, dass zwischen 6.000 und 12.000 Menschen betroffen sind. Viele
haben erst seit einer teilweisen Öffnung der Archive des Justizministeriums
Ende der 90er Jahre Kontakt zu ihren deutschen Familienteilen bekommen. Arne Øland
selbst hat bisher nicht herausfinden können, wer sein Vater war.
Claudia Knauer