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Zur Erniedrigung
kam für viele Kriegskinder mit dem Älterwerden der starke Wunsch, den eigenen
Vater endlich kennen zu lernen. Oft folgte dann die nächste Enttäuschung: Er
blieb unauffindbar, weil nur ein Vorname von ihm geblieben war. Andere verweigerten
den Kontakt, weil sie daheim die geordneten Verhältnisse nicht gefährden
wollten. Von wieder anderen war nur noch das Grab geblieben. Daniel Rouxel hatte Glück: Als er fünf war, spürte ihn die Familie
seines im Krieg gefallenen Vaters auf. So besucht er sie immer wieder in
Unterweissach bei Stuttgart.
Die Siegermacht
Frankreich hat sich erst spät der eigenen Verstrickung in die Unbill des
Zweiten Weltkriegs gestellt. 1997 entschuldigte sich Präsident Jacques Chirac
für die Teilnahme von Franzosen am Massenmord an den Juden. Der Prozess gegen
den ehemaligen Polizeichef von Bordeaux, Maurice Papon, wegen Teilnahme an
Deportationen unter dem Vichy-Regime, brach das Tabu, dass Franzosen nur Opfer
gewesen seien – sie waren auch Täter. Jahrelang hatte Frankreichs Establishment
Papon gedeckt. Dass der Krieg vielfach auch jene ein
Leben lang bestrafte, die ihm ihr Leben verdanken, zeigen Picaper
und Norz eindrucksvoll mit ihrem Buch. Damit öffnen
sie ein schwieriges, aber wichtiges Kapitel in der deutsch-französischen
Nachkriegsgeschichte.
HANDELSBLATT,
Freitag, 04. Juni 2004
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